Wir schreiben das Jahr 2006: Die Nation verfällt für einen Sommer in nie dagewesene und bisweilen sogar penetrante Euphorie. Das selbst ernannte Sommermärchen brachte auch seinen eigenen Soundtrack mit. Ganz vorne dabei waren drei bayrische Sportfreunde mit ihrer Fußballhymne "‘54, ‘74, ‘90, 2006", die sich in kürzester Zeit zum deutschen "Three Lions" mauserte - mit den gleichen Folgen: Spätestens nach der WM hatte man vom Lied dann irgendwann die Schnautze voll. Aber anders als Baddiel, Skinner und Broudie hatten die Sporties ein ganzes Album über den allseits so beliebten Ballsport im Petto. Gut zu wissen, dass die drei zwischenzeitig wieder ein reguläres Studioalbum herausgebracht haben, auch wenn der Titel ja auch wieder beim ersten Hören Assoziationen zum runden Leder aufkommen lässt. Wahrscheinlich wird ihnen jetzt für lange Zeit auch das Klischee anhaften.
Aber nun zum Werk: "La Bum" startet fast mit einem solchen Klischee. Ein neues Kapitel soll aufgeschlagen werden, aber hat man das nicht schon irgendwann gelesen? Klanglich erinnert der Auftakt an die frühen Werke, aber jener Pfiff seiner Zeit lässt sich bis dato nicht blicken. Als nächstes kommt die bereits vorab veröffentlichte Single "Alles Roger!", die ebenso vertraut klingt, aber durch den pseudo-intellektuellen Songtext eher kantig wirkt. Mitsingpotential – zumindest im Refrain – ist dennoch vorhanden. Geschrammelt wird danach über Island und das Meer, wobei das ein bisschen nach Berliner Allerlei klingt und "(Tu Nur Das) Was Dein Herz Dir Sagt" klingt nett, aber nicht unbedingt mehr, wo man doch weiß, dass die Sporties doch spätestens seit dem Album "Burli" mehr aus ihren Balladen machen können. Track Nr. 5 reiht sich da leider ein. "Ohne Deine Liebe" überrascht ebenso wenig, aber die Fans wird das wohl eher weniger stören. Warum Bewährtes ändern?
"Eine Gute Nacht" klingt durch seinen discomäßigen New-Wave-Beat durchaus interessant und entwickelt sich als Laternen-Lauf-Hymne doch glatt zu einem Höhepunkt auf dem bisherigen Einerlei. Die zweite Hälfte der CD zeigt nun, wie es sein kann: Mit "In Unmittelbarer Ferne" gelingt dem Trio eine doch liebevolle Ballade. "Mo(nu)ment" bleibt zwar nicht für immer, hat aber wesentlich mehr Ohrwurm-Potential als der Anfang des Albums. Auf "Anders Als Auf Ansichtskarten" findet sich endlich der berühmte Schreib- und Gesangsstil der frühen Werke wieder, der sich auch auf im punkigen Song "Sodom" fortsetzt. Die Stromgitarren, die fast permanent das Album begleitet haben, werden zum Schluss dann doch geschont: "Legenden" präsentiert sich als Pop-Ballade, die dem Album dann doch noch einen hübschen Abschied bereitet. Zum Ende lassen sogar ein bisschen die Vier aus Liverpool grüßen, wobei man nur ahnen kann, dass sie mit besagtem Song doch jemand bestimmtes meinen. Schließlich ist die EM 2008 ja doch nicht so weit weg.
Fazit:
Die Sportfreunde sind zwar zurück aus dem Sommermärchen, jedoch leider nicht in ganzen Stücken wieder angekommen. Etwas halbherzig wirkt das Album schon, da die erste Hälfte leider etwas zwanghaft und nach schlechter Selbstkopie klingt. Dazu gesellt sich ein nicht immer so ganz zur Rhythmik passender Text. Das habt ihr schon besser hinbekommen und wir sind hier nicht in Hamburg, Peter. Die zweite Hälfte des Albums zeigt, wie es klappt. Immerhin kann man sich dann darauf freuen oder man springt mit der Forward-Taste am CD-Player einfach ein wenig vor. „La Bum“ war es nun also nicht, eher ein „La Zisch“, weil die Luft schon vorher entwichen und der Rest nicht mehr zum Knall reichte.
(Niels Erik Paul)