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Schandmaul - Anderswelt

[ Veröffentlicht am 04.04.2008 ]

Künstler: Schandmaul
Label: F.A.M.E. Recordings
Genre: Folk-Rock

Trackliste
CD1
#1 Frei
#2 Krieger
#3 Anderswelt
#4 Königin
#5 Zweite Seele
#6 Die Braut
#7 Missgeschick
#8 Sirenen
#9 Stunde Des Lichts
#10 Fiddlefolkpunk
#11 Augen Auf!
#12 Wolfsmensch
#13 Drei Lieder
#14 Prinzessin

Dieses Jahr ist ein ganz besonderes Jahr für Schandmaul. Die Mittelalter-Rockband begeht nämlich ihren zehnten Geburtstag. Und da das Album "Mit Leib Und Seele" schon einige Zeit auf dem Markt ist, wurde es ja langsam Zeit für ein neues Studioalbum, welches die Fans ausgiebig zelebrieren können. Man kann jetzt viel drum herum reden, aber Fakt ist: Große Erwartungen werden an dieses Album gestellt. Nicht zuletzt dadurch, dass die Band um Frontmann Thomas Lindner in der Vergangenheit ihre Klasse bewiesen haben. Und da Subway To Sally im vergangenen Herbst gut vorlegten und da auch die Letzte Instanz (unter anderem mit ihrer Akustik-CD "Das Weiße Lied") sehr produktiv wahren, dürfte ein jeder Hörer des Mittelalter-Rock sehr gespannt sein, was die neue Scheibe der Münchener angeht. Ab in die Anderswelt, die wir seit "The Next Uri Geller" ja alle kennen und lieben lernten. Mal sehen ob es genau so kitschig ist.

Das Album eröffnet mit Dudelsackklängen und baut Spannung auf. Circa 90 Sekunden später weiß man Bescheid. Ja, ja, ja! Das haben wir erwartet, das ist gut so. Ein jeder Schandmaul-Hörer wird in "Frei" mit allem umworben, dass er sich wünscht: Pompöser Chorus, ausdrucksstarke, melodische Untermalung und gewohnter Gesang. In "Krieger" geht es mit etwas tieferem Gesang weiter; die Violine dominiert. Anleihen an die schon vorweg erwähnte Letzte Instanz? Nur ein klein wenig was die melodischen Strukturen anbelangt, ansonsten lässt das Ensemble die Kirche im Dorf. Thematisiert wird nebenher der Drachentöter. Hatten wir zwar schon einmal, macht aber trotzdem Spaß. Es folgt mit "Anderswelt" der titelgebende Track. Er präsentiert sich deutlich ruhiger und arrangiert die ganze Instrumentenbandbreite der Band mit Percussion und so weiter. Der Kitsch bleibt glücklicherweise aus, aber richtig überzeugt ist man auch nicht. Da haben Schandmaul schon weitaus bessere Stücke dieser Art geschrieben. In "Königin" geht es dank gemächlicher Drums ebenfalls etwas ruhiger zur Sache. Gesang und melodische Parts wechseln sich gekonnt ab und besonders der Chorus bleibt im Ohr hängen. Das Lied trägt dadurch seine eigene Atmosphäre – die Geschichte der Königin. Auch der Song "Zweite Seele" nutzt einen ausdrucksstarken Chorus, während das nachfolgende "Die Braut" mit Flöten- und Violinenspiel einen Kontrast bildet, jedoch einen Tick zu eingängig daher geht und ohne große Abwandelung seine Geschichte erzählt. "Mischgeschick" kommt mit Pepp daher und strahlt mit witzigem Text hervor. Ein Song der Spaß macht und es sich daher sofort dauerhaft im Gehörgang gemütlich macht. Nach dem Song "Sirenen" hört man bei "Stunde Des Lichts" etwas Neues: Der Song beginnt mit kirchlich anmutendem Chorgesang, bevor er in einen Standard Uptempo-Song der Band übergeht.

Spannendes lässt der Titel des nächsten Songs vermuten. Und Schandmaul halten, was sie mit "Fiddlefolkpunk" ankündigen. Das rund zweiminütige Instrumental erfreut den Hörer und die Band zeigt, dass sie immer noch genug Ideen aus dem Hut zaubern können, um das Album nicht in die Langeweilewelt abrutschen zu lassen. "Augen Auf!" gefällt ebenfalls, besonders mit den Schreiversuchen von Herrn Lindner, der mit "Wach auf! Wach auf!" das Lied abschließt. Während "Wolfsmensch" ein weiterer Standardsong ist, erzählt "Drei Lieder" quasi eine hübsche Kurzgeschichte in vier Minuten. Mit der schönen Ballade "Prinzessin" geht die Reise durch die Anderswelt schließlich zu Ende. Hier wird mit schönem Text und Klang an "Dein Anblick" und Co. angeknüpft.

Fazit:

Egal ob „Der Spion“, „Walpurgisnacht“ oder „Mitgift“: Neue Schandmaul-Evergreens wie diese hat dieses Album eher nicht zu bieten, überzeugt aber dennoch durch seine konsequent gelungene Umsetzung. Bei keinem der Songs kommt man auch nur ansatzweise auf die Idee, die tapferen Recken aus München hätten in ihrer Qualität nachgelassen. So knüpft das neue Album Anderswelt nahtlos an den Vorgänger an und jeder Schandmaul-Fan wird sicherlich seine helle Freude an dieser Scheibe haben und sie erst einmal in Dauerrotation hören. Dem kann ich mich anschließen. Eine mehr als gelungene Einleitung für das Jubiläumsjahr der Schandmäuler.

(Lars Peterke)