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Hej Matematik - Vi Burde Ses Noget Mere

[ Veröffentlicht am 04.02.2008 ]

Künstler: Hej Matematik
Label: Copenhagen Records
Genre: Disco-Pop

Trackliste
CD1
#1 Hej Matematik (3:27)
#2 Du & Jeg (3:16)
#3 Centerpubben (3:19)
#4 Midtbyen (3:19)
#5 Utroskabet (3:42)
#6 Høj 5 (3:13)
#7 Gymnastik (3:07)
#8 Vi Ka Alt Vi To (3:11)
#9 Kvinderne (3:19)
#10 Vi Burde Ses Noget Mere (2:38)
#11 Så Ka De Lære Det (3:10)

Zwei Dänen sagen freundlich "Hi!" und wollen gerne länger bleiben. Und eigentlich möchte man nicht zugeben, dass sie es so viel besser hätten machen können.

Mit ihrem Debütalbum "Vi Burde Ses Noget Mere" versuchen Hej Matematik, das dänische Duo bestehend aus Søren Rasted und seinem Neffen Nicolaj, ihren Namen zu etablieren. Søren, der bereits in den späten 90'ern Erfolge mit der Eurodance-Gruppe Aqua verzeichnen konnte, verpackt den Hej Matematik-Sound in ein Korsett aus Elektropop, das sich dem Hörer zunächst mit gewichtigen Schritten nähert, welche anschließend jedoch so verschwindend klein werden, dass man sich mit der Zeit wie in Zeitlupe gefangen fühlt. Dabei bedienen sich Hej Matematik hauptsächlich bei synthetischen Instrumenten und Soundeffekten (ob das berühmte Klicken aus Trios "Da Da Da" in "Du & Jeg" eine Hommage an das Original oder eine dreiste Kopie ist, bleibt Ansichtssache), um ihren Sound modern und zeitgemäß zu präsentieren.

Umso bedauerlicher ist, dass bei all ihrer Modernität das Herz auf der Strecke geblieben zu sein scheint. Nach dem opulenten Opener "Hej Matematik", der nicht lang fackelt und dem Hörer einen Discobeat zuwirft, um ihm danach "Los, tanz!" zuzubrüllen, und der "Wir stehen alles durch"-Hymne "Du & Jeg", folgt die zweite Single "Centerpubben". An diesem Punkt beginnt die eingangs erwähnte Zeitverzerrung: So gut die Stimmen von Nicolaj und Søren zum tanzbaren Elektro der ersten zwei Songs passen, ein synthetischer R&B-Rhythmus und ein Refrain mit Boyband-Qualitäten sind nicht ihre beste Disziplinen. Der Sound schleimt sich in diesen Momenten förmlich in die Gehörgänge und schmiegt sich dank seiner Schnörkellosigkeit viel zu sehr ans Ohr, wo man ihn aber eigentlich gar nicht haben möchte.

Den Kuriositätsstempel gibt's für "Høj 5", von dem zu Recht kein abgedruckter Text im Booklet zu finden ist. Als kurzes instrumentales Interlude hätte es sich besser gemacht. Mit einem Lied über High Fives (die einzige Textzeile ist völlig unironisch "Giv mej fem, høj fem", was sich zu "Gib mir Fünf" zusammenfassen lässt) gewinnen die im Grunde so sympathischen Dänen aber keine Pluspunkte. Ein Schelm, der nun an Füllsongs denkt.

Schon jetzt dürfte klar sein, dass Hej Matematik deutlich ihr Potential zugunsten der "schnellen Nummer" verschenken. Tatsächlich überschreitet kein einziger Song auf "Vi Burde Ses Noget Mere" die Vier-Minuten-Marke, der kürzeste erreicht nicht mal drei Minuten. Solch komprimiertes Material vertuscht in der Regel Schwächen im Songwriting, die man den Dänen in Maßen tatsächlich vorwerfen darf. Was man hier hört, ist Radiopop in den Kinderschuhen. Umso schmerzhafter, dass Momente wie die ersten zwei Songs oder auch das wundervolle Liebeslied "Vi Ka Alt Vi To" ("Wir beide schaffen alles") ebenfalls auf diesem Debüt residieren und mit dem Zaunpfahl winken, dass gute Songs nur eine Haaresbreite weiter liegen. Tatsächlich scheinen die beiden Rasteds zum Abschluss ihres Debüts etwas erbost über seine Reinheit zu sein, da der das Album schließende Song "Så Ka De Lære Det" wieder erstaunlich laut nach vorne prescht. Leider kommt aber auch dieses Stück nicht ohne Recycling der Choreinlagen aus diversen vorangegangenen Songs aus.

Fazit:

Ein bisschen weniger Mathematik würde dem Sound von Hej Matematik wirklich gut bekommen. Was bei der einwandfreien Produktion fehlt, ist Herzblut und vor allem eine Seele. Es sind Kanten, die das Album interessant gemacht hätten, die kleinen ungewöhnlichen Melodien und Klänge, die einen bemerkenswerten Song ausmachen. Insofern erscheint mir das Debüt der Dänen viel zu berechnet, zu zurückgezogen, viel zu sehr hoffend auf den anspruchslosen Hörer. Das hier ist Pop, wie er gerader nicht sein könnte. Und deshalb tut es mir weh, zugeben zu müssen, dass Hej Matematik trotz ihres Charmes und Charismas ein Debütalbum gemacht haben, das zu wenig wagt und nur mit ein paar wirklich großartigen Hits auffahren kann.

(Marcel Schnelle)