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Dir en grey - The Marrow Of A Bone

[ Veröffentlicht am 02.03.2007 ]

Künstler: Dir en grey
Label: Gan-Shin
Genre: Metal

Trackliste
CD1
#1 Conceived Sorrow (4:49)
#2 Lie Buried With A Vengeance (2:43)
#3 The Fatal Believer (3:11)
#4 Agitated Screams Of Maggots (2:57)
#5 Grief (3:36)
#6 Ryoujoku No Ame (4:03)
#7 Disabled Complexes (3:56)
#8 Rotting Root (4:45)
#9 Namamekashiki Ansoku, Tamerai Ni Hohoemi (4:36)
#10 The Pledge (3:55)
#11 Repetition Of Hatred (4:33)
#12 The Deeper Vileness (3:46)
#13 Clever Sleazoid (3:12)
CD2
#1 Namamekashiki Ansoku, Tamerai Ni Hohoemi -unplugged- (4:30)
#2 Conceived Sorrow -unplugged- (4:59)
#3 The Pledge -unplugged- (3:51)

Die abgedrehten Japaner von Dir en grey sind zurück und beanspruchen mit ihrem sechsten Studioalbum 'The Marrow of a Bone' einen Platz in der Liste meiner Lieblingsalben von 2007.

Im Prinzip war ja bekannt, dass Dir en grey nicht lange auf der Stelle treten, was ihren Sound betrifft. Während sie 1997 als poppig-bunte Visual Kei-Rocker starteten, entwickelte sich über die Jahre hinweg ein dunkler und krasser Sound, welchen sie auch auf dem neuesten Album im Vergleich zum Vorgänger 'Withering to death.' weiter verfeinert und individualisiert haben. Das mit insgesamt 13 Tracks üppig ausgestattete Album enthält, was den alteingesessenen Fans der 'Missa'- und 'Gauze'-Ära misfallen dürfte, erstaunlich direkte und kompromisslose Action, hauptsächlich dominiert von Sänger Kyo, der sich schon auf dem Vorgängeralbum äußerst laut präsentierte. Ekstatisch schreit, brüllt und kreischt er ins Mikrofon, durchweg untermalt von simplen, einprägsamen Gitarrenriffs und einer herben Basslinie. Dabei scheint es, als hätte Kyo eine neue Möglichkeit gefunden, seine ohnehin schon einzigartige Stimmkraft noch weiter auszubauen: Er kann nun auch wie ein Mädchen quietschend schreien, was einem besonders in "Grief" einen 'Ohmeingott'-Gesichtsausdruck verpassen dürfte. Die instrumentale Begleitung ist solide; Shinya haut wieder kräftig in die Drums und auch die Saiteninstrumentler tun ihren Job äußerst gut.

Vielleicht ist es eine Reaktion auf die sehr gespaltene Meinung der Fans über die Extremität und Lautstärke der Vorab-Singles, besonders "Clever Sleazoid" und "Agitated Screams of Maggots", die Dir en grey dazu verleitet haben, den Opener des neuen Albums, "Conceived Sorrow" etwas ruhiger ausfallen zu lassen. Entstanden ist eine kraftvolle Rockballade, in der Kyo jedoch nichts an Stimmgewalt einbüßen musste. Ungewöhnlich laut für bisherige Dir en grey-Verhältnisse (abgesehen von "saku" auf dem Vorgängeralbum) fährt das Album mit "Lie Buried With A Vengeance", "The Fatal Believer" und "Grief" fort, bevor ein weiterer, den Fans wohl bekannter Song in den Lautsprechern erklingt: "Ryoujoku No Ame" war die dritte Vorab-Single und beeindruckte durch seine Zweigeteiltheit, laut und leise zu verbinden. Für 'The Marrow of a Bone' wurde dieser Song, ebenso wie der letzte Song, "Clever Sleazoid", neu aufgenommen, etwas neu arrangiert und dem harten Stil des Albums angepasst.

Im weiteren Verlauf bricht das Album immer wieder Genregrenzen: So ist man zunächst verleitet, zu glauben, "Disabled Complexes" sei ein ruhiger, etwas funkig angehauchter Song, bevor Kyo losschreit und sich dann in einem unglaublichen Chorus verliert. "Rotting Root" ist ein weiterer, durch die eingängigen Gitarren einprägsamer Song, und mit "Namamekashiki Ansoku, Tamerai Ni Hohoemi" folgt der ruhigste und harmonischste Track des Albums. Nicht nur von der Länge des Namens erinnert er an den "ruhigen Song" des Vorgängeralbums "Withering to death."; der neue Track fällt jedoch deutlich epischer aus.
Die zweite CD des Doppelalbums ist mit ganz speziellen Versionen der neuen Songs ausgestattet. Die Harmonischsten und Ruhigsten finden auf der "Unplugged-Disc" nämlich ein Comeback - eben unplugged. Es ist eine ganz neue (und zweifelsohne tolle) Erfahrung, die powervolle Ballade "Conceived Sorrow" in einer Elektro-Orchester-Version zu hören, auch "The Pledge" gefällt mir mit seiner Akustik-Version hervorragend. Die Unplugged-Disc ist mit drei Songs sehr kurz, aber trotzdem ist dieses Extra ohne Frage mein Highlight der neuen Dir en grey-Scheibe.

Fazit:

Wer sich auf den gewöhnungsbedürftigen Sound der Japaner einlässt, dem wird 'The Marrow of a Bone' sehr gefallen. Wer jedoch ohne Vorfreude auf Innovationsmangel einfach nur ein neues 'Vulgar' oder 'Withering to death.' will, ist bei dieser CD falsch. Das ist ein Grund, warum ich Dir en grey so mag - sie klingen auf jedem Album neu. Und doch erkennt man sie stets. Klare Kaufempfehlung für Metal-Fans, die nicht auf konventionellen europäisch-amerikanischen Einheitsbrei stehen.

(Marcel Schnelle)