|
|
|
Die Ärzte - Jazz ist anders
[ Veröffentlicht am 02.11.2007 ]
Künstler: Die Ärzte
Label: Universal
Genre: Rock
Trackliste
| CD1 |
| #1 |
Der Himmel ist blau |
| #2 |
Lied vom Scheitern |
| #3 |
Breit |
| #4 |
Lasse redn |
| #5 |
Die ewige Maitresse |
| #6 |
Junge |
| #7 |
Nur ein Kuss |
| #8 |
Perfekt |
| #9 |
Heulerei |
| #10 |
Licht am Ende des Sarges |
| #11 |
Niedliches Liebeslied |
| #12 |
Deine Freundin (wäre mir zu anstrengend) |
| #13 |
Allein |
| #14 |
Tu' das nicht |
| #15 |
Living Hell |
| #16 |
Vorbei ist vorbei |
Na endlich, da hamma 'se wieder, die "bäste Band der Welt" aus Berlin. Elftes Studioalbum nach einer langen Schaffenspause, in der wir unterhaltsame und spannende Soloprojekte von Bela und Farin begutachten konnten. Rodrigo konnte man unterdessen bei der Band Abwärts hören. Jetzt hat sich das Quartett wieder ins Studio verkrochen und nach einem verdammt riesigen und kulinarischen Hype kam die Platte "Jazz ist anders" raus. Und obwohl das Resultat nicht überzeugt und an die vorangegangenen Alben "Geräusch" und "Runter mit den Spendierhosen, Unsichtbarer!" anküpfen kann, ist die neue Scheibe sicher eine der bedeutendsten Platten im Jahre 2007. Hype sei Dank.
Ganz locker und straight predigt Urlaub zu Beginn "Der Himmel ist blau". Da habe ich auch absolut nichts dagegen, vermisse aber gegenüber vergangenen Ärzte-Openern den für die Band so typischen Biss im Text ("Unrockbar") beziehungsweise den fabelhaften Humor, gepaart mit einer lustigen musikalischen Umsetzung ("Punk ist…"). Ähnlich uninspiriert macht Herr Felsenheimer im "Lied vom Scheitern" weiter. Und damit wir uns nicht falsch verstehen, wir reden eigentlich nur vom Text. Melodisch haben beide Songs Pepp und gehen zweifelsfrei ins Ohr. Das die Ärzte nun aber offenbar lieber Jugendprobleme in Songs verwerten, wirkt zunächst etwas argwöhnisch. Zielgruppenerweiterung etwa?
Völlig "Breit" setzt Rod zum dritten Versuch an und kann schon etwas mehr reißen, vom Hocker haut einen aber auch das nicht so wirklich. In "Lasse redn" werde ich dann endlich glücklich. Das sind die Ärzte wie ich sie liebe! Leider bleiben Tracks wie dieser aber insgesamt gesehen Mangelware. Bis auf die wirklich herausstechende Erstlingssingle "Junge" geht es ähnlich fade weiter, bis man dann zu erfreulichen Spielereien wie einem Funksong ("Deine Freundin (währe mir zu anstrengend)") oder einem herrlich unterhaltsamen Raubkopierer-Song ("Tu‘ das nicht") kommt, bei denen erneut Witz bewiesen wird und die Ärzte alle Register ziehen. In "Nur ein Kuss" singt Farin ein Liebeslied das irgendwie nicht zündet und "Licht am Ende des Sarges" schickt sich an, das Vermächtnis von "Monsterparty" , "Happy Zombie" und Co. anzutreten. Und auch hier nochmal der Hinweis: Auch der Rest des Albums ist melodisch sehr hübsch, die belanglosen Texte machen aber vieles kaputt.
Fazit:
Nach dem letzten regulären Ärzte-Album 2003 hätte man eigentlich etwas mehr erwarten können. Während „Jazz ist anders“ musikalisch durch und durch hörbar ist, kriechen die Texte jedoch eher hinterher und wirken recht dahingeklatscht. Es hat den Anschein, als sei ein Großteil der Kreativität bei Songs der Soloprojekte (Beispielsweise Belas „1., 2., 3.“ oder Farins „Dusche“) hängen geblieben. Trotz Allem tut das der Sache keinen Abbruch, dass wir von den Ärzten reden und ich nach der sehr charmanten Economy-Version des aktuellen Albums das hiesige Werk eher als künstlerischen Durchhänger werte, als es als Reinfall zu betrachten. Nächstes Mal aber bitte etwas mehr anstrengen meine Freunde, ich sag‘ schon mal Danke im Vorraus.
(Lars Peterke)
|