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Bullet For My Valentine - Scream Aim Fire

[ Veröffentlicht am 25.01.2008 ]

Künstler: Bullet For My Valentine
Label: Gun Records
Genre: Metal

Trackliste
CD1
#1 Scream, Aim, Fire
#2 Eye Of The Storm
#3 Hearts Burst Into Fire
#4 Waking The Demon
#5 Disappear
#6 Deliver Us From Evil
#7 Take It Out On Me
#8 Say Goodnight
#9 End Of Days
#10 Last To Know
#11 Forever And Always

Drei Jahre sind verstrichen seit die Waliser Metalcore-Kapelle Bullet For My Valentine mit ihrem Erstlingswerk "The Poison” einen kometenhaften Aufstieg feierte und mächtig Staub aufwirbelte. Die Singleauskopplungen "Tears Don’t Fall" und "All These Things I Hate" bescherten den Jungs eine, für Bands aus härteren Gefilden durchaus ungewöhnliche, Dauerrotation auf MTVIVA und die Songs wurden schnell zu Hymnen für verlorene Teenagerseelen. Durch den damit einhergehenden, beinahe unerträglichen Hype, einem aufgewärmtem Re-Releases von "The Poison" und dem Erscheinen eines vorschnell veröffentlichten Livealbums sah sich die Band mit heftigen "Ausverkauf"-Vorwürfen konfrontiert und büßte eine gehörige Portion an Glaubwürdigkeit innerhalb der Szene ein. Der geplante Auftritt im Metal-Mekka Wacken sorgte für heftige Kontroversen innerhalb des festivaleigenen Forums und deckte gnadenlos auf, dass Bullet For My Valentine noch einen beschwerlichen und steinigen Weg vor sich haben, bis man es sich am Rock-Olymp neben den Haudegen Iron Maiden und Metallica bequem machen darf. Supporten durften Matt Tuck & Co. ihre großen Idole aber ja bereits.

Mit dem Nachfolgewerk "Scream Aim Fire" soll nun alles anders werden. Ein Album im Stile der Thrashmetal-Helden Slayer und Konsorten aus den 80ern, wurde es der Fanscharr großspurig angekündigt. Man will weg vom emolastigen Songwriting der Debütscheibe, hin zu reiferen Texten. Schluss mit Herzschmerz und zerrütteter Beziehungswelt, nun soll komplexer Erwachsenenkram besungen werden. Atmen wir also dreimal tief durch, legen unsere Scheuklappen ab und wenden uns vorurteilsfrei dem taufrischen Material der Nachwuchs-Metaler zu.

Losgerockt wird mit der Vorab-Singleauskopplung "Scream, Aim, Fire" und es lässt sich zweifelsohne von einem vielversprechenden Opener sprechen. Ein regelrechtes Riff-Gewitter wird hier auf den Zuhörer abgefeuert, Matt’s aggressive, thrashlastige Stimmlage hat man in dieser Ausprägung auf "The Poision" maximal ansatzweise zu Hören bekommen. Wenn man sich das darauffolgende "Eye Of The Storm" zu Gemüte führt, möchte der geneigte Metalhörer wohl schon zu lobenden Worten ausholen, doch dann kommt "Hearts Burst Into Fire" mit einer deftigen Ladung poppiger Melodie und Ohrwurmgefahr um die Ecke. Absoluter Singlekandidat der das Potential hat in die Fußstapfen von "Tears Don’t Fall" zu treten. Mit "Heart Burst Into Fire" wird das Waliser-Quartett wieder auf Heavy-Rotation laufen und MTVIVA im Sturm erobern. In Deckung gehen und anschnallen heißt es beim nachfolgenden Track "Waking The Demon". So böse klangen Bullet For My Valentine noch nie. Ein astreiner Metal-Song, der selbst hartgesottene Kritiker der Band überzeugen könnte. Wer hier noch immer mit den ewigen Emo-Vorwürfen plakatiert, hat wohl ein stark beschränktes Urteilsvermögen.

Mit "Disappear" geht es munter weiter. Thematisch knüpft man dabei nahtlos an "Waking The Demon" an. Die Situation gesellschaftlicher Außenseiter ist textlicher Mittelpunkt der beiden Songs und schafft es hierbei nicht im übertriebenen Kitsch und Selbstmitleid zu ersaufen Man merkt, dass sich die Jungs textlich weiterentwickelt haben. In "Deliver Us From Evil" verarbeitet Frontmann Matt Tuck die ungewissen Wochen vor und nach seiner Mandel-Operation, die die Band nicht nur ihre Supportgigs für Metallica canceln ließ, sondern nach diversen Komplikationen bereits eine ernsthafte Gefährdung für Matt’s Gesangsorgan darstellte. Über "Say Goodnight" schwebt unverkennbar der Stern von der gerade angesprochenen Band Metallica, was aber wohl eher wenig stören mag: Der Song ist definitiv einer der Höhepunkte des Albums. James Hetfield & Co. sind bestimmt stolz. Im Stile von "Welcome Home" erschaffen Bullet For My Valentine eine atmosphärische Rock-Ballade, welche den Spannungsbogen bis zum letzten Drittel des Songs aufbaut und sich abschließend in Form von wütenden Shouts entlädt. Mit dem folgenden Track "Last To Know" ziehen Bullet For My Valentine gegen Kritiker und Neider in die Offensive. Der Song ist ein flammender Appell für mehr Respekt gegenüber den erbrachten Leistungen der Band. Ein mächtiges Gitarrenbrett im Refrain untermauert die angriffslustige und aggressive Charakteristik des Songs. Die Midtempo-Ballade "Forever And Always" fungiert als sympathisch-rockpoppiger Rausschmeißer und drängt förmlich danach "The End" als Abschlusssong auf Konzerten der Band abzulösen. Hier herrscht ebenfalls akute Ohrwurmgefahr und der langgezogene, chorartige Hintergrundgesang hallt noch lange nach dem Verklingen des Songs im Hinterkopf nach.

Fazit:

Mit „Scream Aim Fire“ schlagen Bullet For My Valentine in dieselbe Kerbe wie die Kollegen von Trivium mit „The Crusade“. Man distanziert sich vom Metalcore und wendet sich dem Thrash-Metal zu. Durch diesen stilistischen Wandel wird sich bestimmt so mancher bisherige treue Fan fragend abwenden und sich im Mikrokosmos von Funeral For A Friend und The Used geborgener fühlen. Das Album ist weniger eingängig als „The Poison“ und so mancher Song zündet erst beim mehrmaligen Durchhören. Bullet For My Valentine haben jedoch zweifelsohne eine weitere Talentprobe abgelegt - die Jungs verstehen was von ihrem Handwerk. Das Album überzeugt auf weiten Strecken durch harten Gitarrensound und sichtlich gereiftem Gesang. Zwar gibt es Durchhänger a la „Hearts Burst Into Fire“, aber Geld verdient sich ja schließlich nicht von alleine.

(Nico Anger)